Populäre Musik und Ihre Geschichte                                         Sammeln - Forschen - Publizieren

Freitag, 27. Januar 2023

programmübersicht:

14 Uhr

Grußworte

Martin Pfleiderer: Sammeln – Forschen – Publizieren. Zur Einführung

Forschen im Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach

 

14:30 Uhr

Richard Limbert: Lippmann+Rau – Eine Konzertagentur bringt den Bluesrock nach Deutschland

 

15 Uhr

Simon Bretschneider: Das Notenarchiv des DDR-Rundfunkkomitees - eine wichtige Quelle für die Erforschung der Populären Musik in der DDR

 

15:30 Uhr

Präsentationen von Studierenden aus einem Forschungsseminar an der HfM Weimar zu ausgewählten Beständen des Lippmann+Rau-Musikarchivs Eisenach

 

16:30 Uhr: Kaffeepause

 

17 Uhr

Roundtable I: War die DDR ein »Jazzklub-Land«? Kulturpolitik und Eigensinn 1959-1989

mit Martin Breternitz, Gerhard Beutler, Reinhard Lorenz, Wolfgang Renner, René Theska und Frank Wache
Moderation: Ulf Drechsel

Louisiana Red, DDR, 1980er, IG Jazz Eisenach, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Foto Klaus Dieter Fiesinger)

Verblassende Erinnerung: Louisiana Red mit Band 1986 zu Gast bei der IG Jazz Eisenach.

(Foto: Klaus Dieter Fiesinger)

20 Uhr

In Concert: Richard Limbert und Simon Dahl spielen Songs des American Folk Blues Festivals

 

Ausführliches Tagungsprogramm:

14 Uhr

Grußworte:

Daniel Eckenfelder und Reinhard Lorenz, Lippmann+Rau-Stiftung Eisenach

Michael Klaper, Direktor des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena

 

Martin Pfleiderer:

Sammeln – Forschen – Publizieren. Zur Einführung

 

In der Tagungseinführung geht es um das Ineinandergreifen von Sammeln, Forschen und Publizieren, von Archiv, Wissenschaft und Journalismus in der Geschichtsforschung und in der Erinnerungskultur - und um den unzeitgemäßen Begriff der 'populären Musik'.

 

Martin Pfleiderer, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei HfM Weimar)

 

Martin Pfleiderer

*1967, studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Universität Gießen, wo er 1998 promoviert wurde. Bis 2005 war er wissenschaftlicher Assistent für systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. Nach seiner Habilitation und mehreren Gastdozenturen ist er seit 2009 Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Seine Forschung konzentriert sich auf die Geschichte, Analyse und Ästhetik von Jazz und populärer Musik (insbesondere im Blick auf Rhythmus, Gesang und Improvisation), Musiksoziologie und Computational Musicology.

14:30 Uhr

Richard Limbert:

Lippmann+Rau – Eine Konzertagentur bringt den Bluesrock nach Deutschland

 

Anfang der 60er Jahre war das Blues-Revial in Europa noch nicht ganz angekommen. Die Konzertagentur Lippmann+Rau organisierte ab 1962 das American Folk Blues Festival, das erstmalig Musiker des Country-Blues nach Europa brachte. Hier wurde nicht nur einem deutschen Publikum der Blues präsentiert, sondern die Musiker des Festivals lernten oft auch erstmalig die Bundesrepublik kennen. Anhand ausgewählter Archivalien des Lippmann+Rau-Musikarchivs zeigt Richard Limbert exemplarisch, wie diese Touren organisiert wurden und wie der Austausch der Musikkulturen durch Lippmann+Rau ermöglicht wurde.

 

Richard Limbert_Archivtagung 2023_Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Usie Fauzia Anniza)

 

Richard Limbert

ist Musikwissenschaftler und Mitarbeiter im Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach, wo er zusammen mit Simon Bretschneider die Bestände katalogisiert und erste Digitalisierungen vorbereitet. Als Herausgeber des Key West Magazins forscht und publiziert er zu den Themen Folk, Blues und Country aus den USA.

15 Uhr

Simon Bretschneider:

Das Notenarchiv des DDR-Rundfunkkomitees -

eine wichtige Quelle für die Erforschung der Populären Musik in der DDR

 

Der Teilnachlass des Staatlichen Rundfunkkomitees der DDR gehört zu den jüngsten und größten Übernahmen des Lippmann+Rau-Musikarchivs Eisenach. Hierbei handelt es sich um das Notenarchiv des staatlichen Rundfunks. Viele Musikproduktionen der rundfunkeigenen Orchester, aber auch selbstständiger, kleinerer Ensembles und Bands basierten auf unveröffentlichten Partituren. Diese und die dazugehörigen, handgeschriebenen Stimmen verwaltete das Notenarchiv. Der 200 laufende Meter umfassende Teilnachlass beinhaltet vor allem Notenmaterial aus den 1930er bis 1980er Jahren, vom Radiotanzorchester Berlin über Modern-Jazz-Gruppen wie Studio 4 und der Theo-Schumann-Formation zu Bands wie City und Karat. Schriftverkehr und Personalakten der Abteilung ergänzen das Konvolut. Welche Erkenntnisse zur populären Musik in der DDR im Speziellen und staatlicher Musikproduktion in Diktaturen im Allgemeinen können zukünftige Forschende und interessierte Bürger aus diesem Nachlass gewinnen? Dieser Frage möchte ich mich in einem Kurzvortrag nähern.

 

Simon Bretschneider_Archivtagung 2023_Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Daniel Eckenfelder)

 

Simon Bretschneider

ist Musikwissenschaftler und Mitarbeiter im Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach, wo er zusammen mit Richard Limbert die Bestände katalogisiert und erste Digitalisierungen vorbereitet. Er forscht zu den Themen Kulturpolitik, Populäre Musik in der DDR und zur Bedeutung von Sammler-Netzwerken bei der Entstehung von Musikdiskursen. Zuletzt erschien von ihm das Buch Tanzmusik in der DDR. Dresdner Musiker zwischen Kulturpolitik und internationalem Musikmarkt, 1945-1961.

15:30 Uhr

Präsentationen von Studierenden aus dem Archivseminar an der HfM Weimar

 

In dem Forschungsseminar Populäre Musik und Archiv am Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena wurden im Wintersemester 2022/23 Grundlagen, Zugänge und Besonderheiten der Archivarbeit und archivbasierten Forschung zur Geschichte von populären Musikgenres und Jazz diskutiert. Im Zentrum des Seminars standen im Rahmen von drei Exkursionsterminen im Lippmann+Rau-Musikarchiv die praktische Archivarbeit und eigene Forschungsprojekte der Studierenden. Einige Ergebnisse des Seminars und der studentischen Projektarbeit werden präsentiert:

 

Lina Zuchantke:

Unbekannte Objekte - unbekannte Beziehungen. Ein Blick in den Nachlass von Fritz Rau

 

Constanze Zacharias:

Günter Boas' "Blues for Mondays" - und wohin das führt(e)

 

Alexandra Vorik:

Die Schatzkisten des Komponisten Manfred Schmitz

 

Philipp Schumann:

Thonas Buhé und die Beatles

 

Roundtable zu Jazzklubs in der DDR

17 Uhr

Roundtable I: War die DDR ein »Jazzklub-Land«? Kulturpolitik und Eigensinn 1959-1989

 

mit Martin Breternitz, Gerhard Beutler, Reinhard Lorenz, Wolfgang Renner, René Theska und Frank Wache
Moderation: Ulf Drechsel

 

Laut dem Jazzexperten Martin Breternitz war die DDR ein »Jazzklubland«. In mehr als 60 sogenannten Jazzklubs fanden sich bis zum Ende der 1980er Jahre überall in der DDR junge Menschen zusammen, um Jazz zu hören, selbst zu veranstalten und sich individuell und gleichzeitig gemeinschaftlich mit dieser Musik in Bezug zu ihren eigenen Lebensvorstellungen im SED-Staatssozialismus zu beschäftigen.

Jazzkultur in der DDR war überaus vielfältig, oft nonkonformistisch und trug stets den Gedanken der Freiheit in sich, so Breternitz. Jazz als eine kulturelle und soziale Praxis war zu jedem Zeitpunkt der DDR-Geschichte gesellschaftlich sowie künstlerisch relevant und offenbarte ständige Reibungspunkte zwischen Staat und der dieser Musik zugeneigten Bevölkerung [https://martinbreternitz.de/musikwissenschaft/].

Anlässlich des 64. Geburtstages des Jazzklubs Eisenach wollen wir eine erste Annäherung an dieses kaum erforschte Thema wagen. Nach einer Einführung von Martin Breternitz, dessen Buch zu Jazzklubs in der DDR im Januar 2023 erscheint, erzählen und erinnern sich Zeitzeugen und ehemalige Jazzklubleiter aus dem Thüringischen und Sächsischen Raum. Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen, sich an der anschließenden Diskussion zu beteiligen und ihre Erlebnisse zu schildern.

 

Martin Breternitz, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Martin Breternitz)

 

Martin Breternitz

ist Musiklehrer an einer Erfurter Gemeinschaftsschule. Er spielt Saxofon, Klavier und Bass – unter anderem in verschiedenen Big Bands im mitteldeutschen Raum. Bis 2015 studierte er historische und systematische Musikwissenschaft an der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. 2022 wurde er an der Hochschule für Musik Weimar sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Thema Jazzklubs in der DDR promoviert.

Gerhard Beutler, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Gerhard Beutler)

 

Gerhard Beutler

*1937 in Weißenfels, promovierter Geologe. Seit Mitte der 1950er Jazz-Fan, anfangs im Freundeskreis in Weißenfels, unter anderem zusammen mit Gerhard Conrad. 1960 Gründung der IG Jazz in Freiberg (Träger: FDJ), Veranstaltung von Klubabenden und Konzerten. Kontakte zu Ferry Felkl, Dieter Wagner und Gernot Hahn. 1962-65 Mitglied der IG Jazz in Stralsund (Träger: Kulturbund), Organisation von eigenen Jazz-Vortragsreihen. Danach aus beruflichen Gründen »nur« noch Konzertbesucher und Fan.

René Theska, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei René Theska)

 

René Theska

*1957 Pößneck. Berufsausbildung mit Abitur bei Carl Zeiss in Jena, Studium an der TH Ilmenau. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Ilmenau, 1989 Promotion. 1990 - 2001 Leitungsfunktion in Forschung und Entwicklung, 2001 Berufung an die TU Ilmenau, Professur Feinwerktechnik. Frühe Berührung mit Jazz durch den Vater, einem begeisterten Jazzsammler, dem Onkel, der in den 50er und 60er Jahren die Kölner Jazzszene zusammen mit Gigi Campi aufbaute und aktiv unterstützte und der Cousine, einer Musiklehrerin und Jazzsängerin. Von 1979 bis 1989 Leiter der AG Jazz an der TH Ilmenau. Semiprofessionelle Auseinandersetzung mit Jazzfotografie von 1975 bis heute.

Wolfgang Renner, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Claus Bach)

 

Wolfgang Renner

*1951 in Ilmenau. Kulturmanagements-Studium und extern Hochschule für Musik Franz Liszt (Abschlussarbeit 1977 zum Thema Jazz - ästhetische Kategorien). Ausbildung zum Programmgestalter / Dramaturg / Regisseur bei der Generaldirektion beim Komitee für Unterhaltungskunst der DDR in Berlin. April 1977 Gründung des Jazzclub Weimar, Leitung bis 1988 (aktiv bis 1993). Vorort-Org. für beide Nationalen Jazztage der DDR 1985 und 1989 in Weimar sowie 1993 Anregung zur Veranstaltung einer Jazzmeile Thüringen und Gründungsmitglied der LAG Jazz Thüringen. Im Ruhestand tätig als Gäste- und Exkusionsführer (BVGD) und ehrenamtlich als Kulturredakteur beim Bürger-Radio LOTTE Weimar.

Frank Wache, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Frank Wache)

 

Frank Wache

*1955, Studium an der TU Dresden als Bauingenieur. Mitglied der Interessengemeinschaft Jazz beim Kulturbund der DDR seit 1978, bei der Gründung am 13.3.1977 noch bei der Armee gewesen. Seit 1980 aktive Mitwirkung beim Ausbau der Kellergewölbe in der Ruine des Kurländer Palais zum Jazzclub Tonne. In den 1980er Jahren Leitungsmitglied (für das Programm), Leiter der Programmgruppe, Abendspielleiter sowie Verbindungsmann zur Presse und anderen Clubs (siehe auch AG Jazz). Schallplattenvorträge und (Mit-)Initiator des Blues-Wochenendes, der Reihe Jazz Today und des Dresdner Jazz Herbst.

Reinhard Lorenz, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei Daniel Eckenfelder)

 

Reinhard Lorenz

*1952 in Etterwinden, studierte Sportwissenschaften an der DHfK Leipzig und Theaterwissenschaften an der Theaterhoch­schule Hans Otto Leipzig. 1982– 1990 Dramaturg am Landestheater Eisen­ach; 1990 – 2017 Leiter des Kulturamtes der Stadt Eisenach. 1986 übernahm er die künstlerische Leitung des Eisenacher Jazzclubs. 1999 gründete er das Internationale Jazzarchiv Eisenach. 2006 initiierte er mit Daniel Eckenfelder die Lippmann+Rau-Stiftung; seit Anfang der 1970er Jahre veröffentlicht er über Jazz, Blues und kulturgeschichtliche Themen.

Ulf Drechsel, Archivtagung 2023, Lippmann+Rau-Musikarchiv Eisenach
(Rechte bei C. Maggie Arndt)

 

Ulf Drechsel

*1956 in Dresden, ab 1975 beim Fernsehen der DDR. Nach dem Studium der Kulturwissenschaft / Theorie der Darstellenden Künste an der Humboldt Universität Berlin von 1986 bis 1991 beim Jugendradio DT 64, ab 1992 bei Radio Brandenburg. Seit den 1980ern moderiert er Jazzkonzerte und organisierte Konzertreihen, hielt

Schallplattenvorträge, schrieb für Musik-Fachzeitschriften. Er ist  Produzent von Berliner JazzmusikerInnen und Co-Autor der Biografie Zwischen den Strömungen – Karlheinz Drechsel – Mein Leben mit dem Jazz sowie von Reclams Jazzlexikon.

In Concert: Simon Dahl & Richard Limbert

Simon Dahl, Richard Limbert, Mühlkeller Leipzig, November 2022
(Rechte bei Usie Fauzia Anniza)

Simon Dahl und Richard Limbert spielen am 27. Januar 2023 im Konzertkeller des Lippmann+Rau-Archivs Eisenach Songs des American Folk Blues Festivals.

 

https://simondahl.bandcamp.com/

https://richardlimbert.bandcamp.com/